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Jugend und Parlament: Fabienne Krentz macht Politik


Unser politisches System und unsere politischen Handlungsträger sind auf handelndes Verständnis der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Ein ebensolches bewies die Schülerin Fabienne Krentz (Jg. 12), als Sie auf freundliche Vermittlung des heimischen Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber an dem jährlich für eine ausgewählte Zahl von Schülerinnen und Schülern angebotenen Planspiel "Jugend und Parlament" am Ort des parlamentarischen Geschehens teilnahm. Ihr interessanter Bericht spiegelt ihre bereichernden Erfahrungen.

Jan Hendrik Winter


Jedes Jahr wird vom Deutschen Bundestag in Berlin das Planspiel „Jugend und Parlament“ ausgerichtet. Für dieses viertägige Projekt kann jeder Abgeordnete des Deutschen Bundestages einen interessierten Jugendlichen aus seinem Wahlkreis einladen. Auf Anregung von Herrn Winter schickte ich meine Bewerbungsunterlagen an den Bonner MdB Ulrich Kelber und konnte mich nach einigen Wochen über eine Einladung nach Berlin freuen.
Als ich am 5. Juni 2010 die große Eingangshalle des Paul- Löbe- Hauses betrat, bemerkte ich sofort die tolle Atmosphäre, die auch die folgenden Tage anhielt. Einige der 311 Jugendlichen aus ganz Deutschland waren vor mir angekommen und diskutierten schon intensiv über die unterschiedlichsten Themen.
Die Teilnehmer konnten sich nun nicht, wie es sich manch einer gewünscht hätte, ihre politische Richtung aussuchen, sondern uns wurden eine Fraktion und eine fiktive Identität zugelost.
Die fünf im Bundestag vertretenen Fraktionen wurden ihrer realen Stärke nach repräsentiert, jedoch unter anderen Namen, um das Planspiel deutlich von der Realität abzusetzen.
So wurde aus mir: Sophie Ehrenfeld, 48 Jahre, Hochbauingenieurin aus Sachsen-Anhalt, verheiratet, 1 Sohn, Mitglied der Christlichen Volkspartei (CVP).
Sobald jeder mit neuem Lebenslauf und politischem Profil ausgestattet war, ging es an die Arbeit:
Zuerst Landesgruppensitzungen, dann Fraktionssitzungen. Meine Landesgruppe, die CVP- Nord/Ost tagte immer im realen Fraktionssaal der CDU/CSU-Fraktion im Reichstagsgebäude, was das Gefühl, echte Politik zu machen, noch verstärkte. In der ersten Fraktionssitzung wurde dann die Ausschuss-Verteilung vorgenommen, bei denen ich es in den von mir favorisierten Innen-Ausschuss schaffte. Somit sollte ich mich die vier Tage mit einem Gesetzentwurf zum Thema „Direkte Demokratie – Volksabstimmungen auf Bundesebene“ beschäftigen. Andere Themen, über die diskutiert wurden, waren „Rente mit 70“, „Einheit vollenden“ und „Alkoholverbot“.
Alle Themenbereiche wurden wie in der „echten“ Politik nach einem streng geregelten Schema abgehandelt. Der von einer Fraktion vorgelegte Entwurf zum jeweiligen Thema wurde in den Landesgruppen, federführenden Ausschüssen, beratenden Ausschüssen und Fraktionen teilweise sehr kontrovers diskutiert, bevor am letzten Tag in einer Plenarsitzung Abschlussdebatte und Abstimmung stattfanden. Gerade bei der zweiten und dritten Lesung im Plenum ist mir hierbei aufgefallen, dass die politische Meinungsbildung und somit das Abstimmungsverhalten der Fraktionsmitglieder bereits in den vorausgegangenen Sitzungen erfolgt war. Im Plenum ging es nur noch um eine ostentative Darlegung der Standpunkte und die anschließende Abstimmung.
Um auch die Plenarsitzungen möglichst real zu gestalten, übernahmen der Bundestagspräsident Norbert Lammert und die Bundestagsvizepräsidenten Gerda Hasselfeld, Petra Pau, Wolfgang Thierse, Katrin Göring-Eckardt und Hermann Otto Solms im Wechsel die Sitzungsleitung.
Wie es die echten Politiker täglich erleben, lernten auch wir den Umgang mit der Presse kennen. Die Deutsche Jugendpresse berichtete täglich über Meinungen und Entscheidungen, aber auch das ZDF drehte eine Dokumentation, für die die Arbeit meiner Landesgruppe verfolgt wurde. Direkt am ersten Tag hatte ich dadurch mit drei anderen Teilnehmern die Möglichkeit, zusammen mit Frau Hasselfeld ein Interview für die Sendung „Berlin direkt“ zu geben.

Alles in Allem habe ich einmalige Erfahrungen gemacht: Durch meinen Hausausweis konnte ich das Reichstagsgebäude von einer ganz anderen Seite kennen lernen; ich bin mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen, besonders mit Jugendlichen, aber auch mit den „echten“ Politikern. Bei einem Gespräch mit Herrn Kelber in seinem Berliner Abgeordnetenbüro habe ich von ihm alle meine gesammelten Eindrücke bestätigt bekommen. Als Bundestagsabgeordneter hat man einen wahnsinnig spannenden, aber auch ebenso anstrengenden Alltag. Die vielen Themen, in die man sich hineinarbeiten muss, bringen große Abwechslung. Oft muss man zwischen seinem Gewissen und der Fraktionslinie abwägen und die Tage beginnen immer früh und enden meistens spät.
Trotz meines Respekts vor der großen Arbeitsbelastung und Verantwortung sehe ich nach meinen vier Tagen als Bundestagsabgeordnete meinen vorherigen Eindruck bestätigt, dass es ein „Traumjob“ ist, die Geschicke des Staates an erster Stelle mitzugestalten.

Fabienne Krentz

(04.07.2010)


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